Reisebericht von Ingrid Rögelsperger an ihre Tante - meine Oma - Maria Wardein.

Im Original 34 handschriftlich eng beschriebene Din A5 Seiten.
Original der Seite 1

Aus meinem Reisetagebuch:

"STUDIENREISE nach, ÄGYPTEN"

Urlaub 1972

Samstag 6. Mai 1972:

An einem wunderschönen Frühlingstag.um 1424 soll ,unsere nächste große Reise starten. Ein Flug mit MEA Boeng 707 (ca. 130-140 Flugplätze). wird uns über Beirut in das Land der Pharaonen nach Ägypten bringen.

Onkel Herbert führt uns mit seinem VW nach Schwechat.

"Mit einem schlechten Omen" beginnt es, denn mit 65 Minuten Verspätung, also um 15 fliegen wir ab. Man entschuldigt sich und gibt bekannt, es wäre der Starter nicht in Ordnung, dann wieder wird von einem Maschinenschaden gesprochen, einige meinen, vielleicht hätte man nach einer Bombe gesucht. Polizei, Feuerwehr und Mechaniker waren jedenfalls genügend hier, also keine guten Gefühle für den Anfang, Sei es wie es sei, Motorschaden oder Bombe - das ist auch schon egal.!

Im Flugzeug bekommen wir ein herrliches Essen. Wir speisen mit Andacht, denn wir wissen, daß wir jetzt für die nächste Zeit unsere. gewohnte Hausmannskost vergessen müssen. Doch schließlich und endlich haben wir genügend Reiseproviant mit und schlemmen kann man ja zu Hause!

Während des Fluges betrachten wir die Teilnehmer aus unserer Reisegesellschaft. Wir sind insgesamt unserer Reiseleiterin Frau Andrea, welche 25 Jahre jung und in Ägypten aufgewachsen ist, 42 Personen. Beginnen wir zu-nächst mit dem Alter: eine zähe Kärntnerin mit 78 Jahren, 2 Schwestern aus Wien mit 72 und 74 Jahren, Frau Schröder 70 Jahre, 2 Witwer mit Lebensgefährtinnen zwischen 65-70 Lenzen. Der Großteil wird etwa 45-55 Jahre zählen und so glaube ich, sind wir wieder einmal ziemlich die Jüngsten. Nicht zu übersehen, Fräulein "Pfedegebiß", sehr schwer zu schätzen und ein paar nicht gerade schöne, aber lustige Gesellen um die Dreißig. Herr Nordhof und seine "Isolde", Kurzform "Weibi" (immer mit Handschuhen passend zum Kleid) fällt sofort als gemütlicher, immer humorvoller Mensch auf. Ebenfalls ein reizender Kerl, eine Frau Doktor mit schwerem Hüftleiden, äußerst bescheiden und sehr belesen.

Inzwischen ist es dunkel geworden, die Uhr wird eine Stunde vorgestellt und in wenigen Minuten sollen wir landen. Wir haben einen herrlichen Blick auf das Lichtermeer von Beirut. Die Lage der Stadt ist wunderbar, nämlich direkt am Meer, umgeben von ziemlich hohen Bergen.

Mit genau einer Stunde Verspätung, um 1935 , setzen wir auf der Landebahn auf.

Nach kurzer Paßkontrolle fahren wir gleich in unser Hotel "Dolphin". Es liegt außerhalb der Innenstadt, ist äußerlich sehr modern, die Zimmer sind aber nicht besonders (ziemlich primitiv).

Um 21h haben wir Abendessen: Suppe, Schaffleisch mit Gemüse, Kartoffel, (mittelmäßig) und einen Spaghettiauflauf (nicht gut). Für eine Flasche Mineral zahlen wir umgerechnet ca. 3 DM.

Nach dem Essen gehen Peter und ich noch etwas bummeln. Hier merkt man schon, daß es bedeutend wärmer als bei uns ist. Wir gehen am Kai entlang und kommen zu einem Nachtlokalviertel. Auffallend teure Autos bemerken wir: Lancia h Jaguar, Mercedes, ja sogar einen Rolls-Royce. Am Weg werden wir gegen 23h von einem Kleinkind angebettelt. Um 23h kehren wir in unser Hotel zurück.


Sonntag, 7.Mai 1972:


Nach einer furchtbar schlechten Nacht (die Autos haben die ganze Nacht gehupt, die Betten waren hart) werden wir um 3/4 6h geweckt. Pünktlich um 6 geht es zurück zum Flughafen, wo wir um 8h mit MEA Boeng 720 nach Kairo abfliegen. Unser Frühstück nehmen wir im Flugzeug zu uns: 2 Bananen, Butter, Käse, Marmelade, Gebäck, Kaffee, Juice.

Wir müssen unsere Uhr nochmals um 1 Stunde vorstellen und so kommen wir diesmal pünktlich um 1050 nach Kairo. Schon die Landung ist faszinierend: wir haben ganz klare Sicht und können so das ganze Land überblicken! Ganz flach, ohne die geringste Erhebung streckt es sich dahin. Gewaltig der Nil, links und rechts davon etwas Grün, - dann nichts als die endlose Wüste....

Verhältnismäßig rasch werden wir wieder abgefertigt, unser Bus wartet schon auf uns. Es ist sehr schwül und hat ca. 32.

Kairo liegt zu beiden Seiten des Nils und ist mit ca. 3,8 Mill. Einwohnern die größte Stadt Afrikas. Im Osten wie im Westen geht die Stadt buchstäblich in die Wüste über.

Auf der Fahrt kommen wir zuerst zur Villenvorstadt Kairos "Heliopolis" genannt. Hier sehen wir große Sportanlagen und die Villa des Präsidenten, dann kommen wir an der Gruft des verstorbenen Präsidenten Nasser vorbei. Gegen 123o sind wir bereits in unserem Hotel "El Nil", ein riesiger Block mit 10 Stockwerken direkt am Nil. Unser Zimmer ist im 5. Stock und so haben wir einen herrlichen Ausblick. Die Zimmer sind fotogen, aber sehr schmutzig. Die Bedienung typisch orientalisch; "Eile mit Weile!"

Um 15h machen wir eine Stadtrundfahrt. Zuerst kommen wir zum bedeutendsten Werk arabischer Baukunst aus dem 14. Jhdt., zur "Sultan-Hassan-Moschee". Die Kuppel ist 55m hoch, das Minarett 86m. Durch ein Fenster haben wir einen wunderbaren Blick auf die gegenüberliegende "Rifai-Moschee". In der Sultan-Hassan-Moschee bewundern wir die reiche Innenausstattung aus Marmor, Zedernholz und Elfenbein. Anschließend besichtigen wir die auf der Zitadelle (Gebirgsfestung 1176 aus Pyramidensteinen erbaut) liegende "Alabastermoschee", das Wahrzeichen Kairos. 1857 von Mohammed Ali gebaut, wunderschön. Wir gehen um die Moschee herum und genießen einen schönen Blick über die Stadt: Wir sehen die Pyramiden von Dahschur, Sakkara und Gizeh, die Moscheen Ibn Tulun, Sultan Hassan und Rifai. Das weite Häusermeer bis zu den Hochhäusern am Nil und den Kairo-Turm auf der Insel Ghezira.

Weiter geht es zur "Al-Ashar-Moschee-" und -Universität die bedeutendste Universität des Islams, seit 998. Berühmte Bibliothek mit 20000 alten Manuskripten. Der Basar "Khan-el-Khalili" ist heute am Sonntag fast gänzlich geschlossen, deshalb wird beschlossen einen Herstellungsbetrieb für ParfümExtrakte aufzusuchen. Hier geht es recht lustig zu, wir werden an verschiedenen Stellen mit den "erstklassigsten Gerüchen" dieses Landes betupft. Wir bekommen Gratisgetränke aufgewartet, nur um unsere Kauflust zu erhöhen. Es wird gefeilscht und gehandelt. Angeblich soll man diese Extrakte noch nach 10 Jahren riechen! (Natürlich darf man sich da nicht waschen!)

Um 1945sind wir wieder in unserem Hotel beim Abendessen. Es gibt Suppe, Fisch, Fleisch (Wasserbüffel) und Gemüse, abschließend Orangen.

Um 21h fahren wir über die Nilinsel Roda nach Gizeh. An der Universität vorbei, geht es die schnurgerade Pyramidenstraße entlang.

Lange haben wir uns überlegt, ob wir "Sun et Lumière" mitmachen sollen oder nicht, denn wir sind schrecklich müde. Doch nun sind wir ganz fasziniert! Die Beleuchtung der Pyramiden und der Sphinx und die einmalige Akustik lassan uns alles vergessen. Ich glaube zu sagen, daß dieser Abend einer der unvergesslichsten in unserem Leben ist.

Es ist bereits 23 als wir wieder in unser Hotel zurückkehren.


Montag, 8.Mai 1972:


Trotz Übermüdung haben wir nur sehr wenig und schlecht geschlafen, die Hunde haben diesmal die ganze Nacht gebellt und geheult. Wlr müssen um 615 aufstehen, dann haben wir ein kärgliches Frühstück, um 845 geht es wieder los. Unser Weg geht zuerst nach Memphis, wo im Alten Reich die einstige Hauptstadt Ägyptens ihre Blütezeit hatte. Ein 80 Tonnen schwerer Alabaster Sphinx und eine Kalksteinstatue Ramses'II sind hier zu sehen. Anschließend kommen wir zu den Resten des ehemals berühmten Ptah-Tempels von Memphis. Nach längerer Fahrt sehen wir die Stufenmastaba von Sakkara, das Grabmahl König Djosers aus der 3. Dynastie, also die älteste Pyramide überhaupt. Sie ist 60m hoch und aus Kalkstein. Über Sanddünen erreichen wir dann die Unas-Pyramide. Sie ist das Grabmahl König Unas aus der 5. Dynastie. Ein schräger, ziemlich niedriger Gang führt uns in das Innere. Die Wände der Grabkammer sind mit farbigen Hieroglyphen bedeckt, die zu den ältesten gehören, die bis heute bekannt sind.

Mit dem Auto noch ein kleines Stück weiter kommen wir zur Mastaba des Ti, welches als größtes und schönstes Privatgrab gilt. Wir staunen über die wunderbaren Wandreliefs, die aus der 5. Dynastie (ca. 2500 v. Chr.) noch so gut erhalten sind. Nun müssen wir abermals ein ziemlich großes Stück zu Fuß durch den Wüstensand gehen. Es ist schon gegen Mittag und die Sonne brennt umbarmherzig auf uns herab. Ein glühender Wind wirbelt den Sand durch die Luft. Die Augen beginnen zu tränen und zwischen den Zähnen knirscht der Sand. Nach etwa 15 Minuten haben wir unser Ziel erreicht: das Sefapeum. Es besteht aus Gruften, die sich als unterirdische, 3m breite und 52 m hohe gewölbte Gänge in einer Länge von 350m unter dem Wüstenboden hinziehen. Auf beiden Seiten sind die graniternen Sarkophage der heiligen Apis-Stiere aufgestellt. Jeder der 24 Sarkophage ist aus einam einzigen Granitblock und wiegt 60 bis 70 Tonnen. Die Anlage wurdt zur Zeit Ramses'II begonnen.

Nachdem wir wieder zu unserem Bus zurückgekehrt sind, setzen wir unsere Fahrt zum "Mena-House-Hotel" fort. Dieses liegt in nächster Nähe der Pyramiden von Gizeh und ist in britischem Kolonialstil (großteils aus Holz) mit arabischen Stilelementen gebaut. Diese Bauweise hat den Vorteil, daß es, trotz fehlender Klimaanlage angenehm kühl wirkt. Ausgesprochen nobel werden wir bewirtet. Als Vorspeise Käseblätterteig, dann faschierte Laib-,en mit Bratkartoffel und Spinat, als Nachtisch Schokoladepudding. Bis 143o haben wir noch Zeit, uns etwas auszuruhen, bzw. Ansichtskarten zu schreiben.

Der herrlich angelegte Garten ist teilweise überglast, sodaß sich Efeu und andere Pflanzen an der Decke emporschlingen. Hier könnte man es länger aushalten, doch unser Programm ist groß und deshalb müssen wir aufbrechen. In der gegenüberliegenden Karawnserei mieten wir uns Pferdekutschen und lustig geht es dahin!

Ein einmaliges Erlebnis: vor uns die Cheopspyramide, links davon die Chefren- und die Mykerinos-Pyramide, zu Füßen die Sphinx. Doch so wie die Fliegen hier so lästig sind, so auch die Kutscher. Kaum sind wir einige Minuten unterwegs wird um den "Backschisch" gebettelt und dieser ist nie hoch genug! Bei der Sphinx angelangt steigen wir aus. Die Sphinx, ein liegender Löwe mit Königskopf wird als Monumentalstatue des Königs Chefren angesehen. Sie ist auch ein Denkmal des Sonnengottes Horus. Die Figur ist aus dem gewachsenen Fels herausgehauen und hat eine Länge von 73 1/2m. Höhe 20m. Der danebenliegende "Sphinx-Tempel" ist das beste Beispiel der einfachen und geradlinigen Architektur des Alten Reiches. Die Verwendung von Granit und Alabaster, die monolithen Pfeiler und die Architrave zeigen, wie hochentwickelt damals Stilempfinden und Arbeitstechnik gewesen sein müssen.

Einige Schritte weiter bleiben wir plötzlich wie angewurzelt stehen: das Weltwunder, die Cheopspyramide! Diese Gewalt! Es ist schwer zu beschreiben, welche Gefühle man beim Anblick dieses so gewaltigen Bauwerkes hat. Wir kommen uns wie Ameisen, wie kleine Würmer vor! Rund 2,3 Millionen Steinblöcke zu je 2 1/2 Tonnen aufeinandergetürmt, 137m Höhe (früher waren es 146m), die Länge einer Grundflächenseite ist 230m, das ist eine Grundfläche von 53.ooo m2. Pharao , Cheops, um 2690 v. Chr. ließ diese Pyramide für sich als Grabmahl errichten. Die Steine sind Mokattam-Kalkstein. Wir steigen, gebückt in den niedrigen Gang, auf und kommen über eine lange Treppe hinauf in das Innere der Königskamer. Dort befindet sich nur ein leerer Granitsarkophag. Es harrscht ein eigenartiger Geruch und es ist heiß und dunstig. 73m hoch sollen wir jetzt sein, also genau bei der Hälfte. Das Absteigen ist noch mühsamer, die Kleinen von uns haben es etwas besser, da sie sich nicht so sehr bücken müssen. Die Chefren-Pyramide, um 2650 v. Chr. von König Chefren erbaut ist nur um lm niedriger als die des Cheops (Chefren war der Sohn König Cheops und aus Ehrfurcht vor seinem Vater hat er seine Pyramide nich höher gebaut) Die Kleinste der 3 Pyramiden ist von König Mykerinos (um 2600 v. Chr.) gebaut und hat 62m Höhe. Chefren- und Mykerinos-Pyramide können weder bestiegen, noch im Innern besichtigt werden.

Mittlerwiele ist es für uns höchste Zeit geworden, auch von hier Abschied zu nehmen, denn wir müssen um 1845 bereits am Bahnhof sein. So kehren wir zuerst in unser Hotel "El Nil" zurück um unser Gepäck zu holen. Wir sind alle sehr ungehalten, denn nachdem wir unsere Zimmer schon morgens räumen mußten, haben er gerade heute, wo wiralle verschwitzt und voll Sand sind, keine Gelegenheit uns zu brausen. Wir können nur unsere Schuhe ausleeren und Hände und Gesicht auf der Toilette waschen.

Zu 19 Uhr geht unser Zug vom Hauptbahnhof in Kairo Richtung Assuan ab. Je 2 Personen haben ein 1. Klasse-Abteil im Schlafwagen. Es ist bekannt, daß Eisenbahnwaggons im allgemeinen nie sauber sind, aber dieser Schmutz muß separat angeführt werden. Wir sind froh und glücklich unsere Leintücher mitgenommen zu haben. Dabei haben wir nur einen Blick in ein 3. Klasse-Abteil geworfen - ein Wahnsinn, da kann man ja Kartoffel anbauen! In unserem Abteil ist es so irrsinnig heiß und die Luft ist abgestanden. Sogleich will Peter das Fenster öffnen, doch oh Schreck! diese sind fixiert! Man beruhigt uns und verspricht, daß es, in 10 Minuten bis die Klimaanlage in Kraft ist, besser sein wird. Doch dies spürt man kaum. Der Zug rüttelt und schüttelt, sodaß man meinen könnte man wäre auf einem Hochseeschiff. So sollen wir schlafen? ....


Dienstag, 9. Mai 1972:


Irgendwie ist diese endlos lange Nacht doch vorübergegangen und nun sehen wir ein völlig anderes Landschaftsbild: rechts der Nil, ein paar kümmerliche Felder, vereinzelt Palmen; links felsiges mit Sand und Staub bedecktes Gestein. In den Höhlen hausen Menschen, teilweise haben sie kleine Hütten aus Schlamm und Lehm. Auf dieser linken Bahnseite gibt es nicht den kleinsten Grashalm. Obwohl es noch früh am Morgen ist, sieht man wie die Sonne schon herunterbrennt.

Unser Frühstück bekommen wir im Speisewagen. Ich tippe sofort auf Eierspeise, denn auf meiner Gabel klebt noch eine und wirklich Eierspeise, Gebäck, Tee (sehr mies).

Endlich nach 15-stündiger Höllenfahrt haben wir Assuan erreicht. Es ist 10h und das Thermometer zeigt 38C.

"Kalabscha" heißt unser Hotel, welches ein toller moderner Bau ist. Die Zimmer haben alle Balkon und auch hier wird Reinlichkeit nicht gerade groß geschrieben. Ängstlich schreie ich auf - im Bad entdecke ich 5 ungefähr 3cm große Käfer. Ameisen sind ebenfalls eine Menge im Zimmer, gut für meinen Rheumatismus.

Mittagstisch haben wir um 133o. Es gibt Spaghetti mit Tomatensauce, Kamelwurst mit Mayonnaisesalat, Oliven, abschließend Bananen.

Der heutige Abend gleicht alle Strapazen wieder aus. Nachdem wir uns bis 17 Uhr etwas ausgeruht haben, machen wir eine Segelbootfahrt auf dem Nil zur Begum-Insel und besuchen dort das Mausoleum des Aga Khan.

Ein ziemlich steiler Weg führt uns hinauf, an einen Platz, von dem wir einen herrlichen Blick auf die Stadt Assuan unf den Nil haben.

Die Gruft ist aus weißem Marmor und mit Blumen und Ornamenten verziehrt. Besonders hervorzuheben ist, daß ausschließlich Moslems an diesem Bauwerk gearbeitet haben und daß alla Arbeiten reine Handarbeiten mit hohem arabischen Einfallsreichtum sind. In einer silbernen Vase ist eine rote Rose zu sehen. Ein damit eigens Beauftragter muß täglich trachten diese zu wechseln.

Nach Besichtigung segeln wir weiter. Unser Boot wird von zwei hübschen kleinen Buben und deren Vater gelenkt. Der eine der beiden dürfte 4 bis 5, der andere gegen 9 Jahre sein. Ihre Hautfarbe ist kohlschwarz, sicherlich sind sie Nubier. Die Menschen sind hier überhaupt sehr schön: die gerade Nasenpartie und die großen Mandelaugen! Auf einmal - wie originell - nimmt der Kleine eine Trommel und beginnt zu singen, Beim Refrain klatschen wir im Takt mit. Ich glaube mir fehlen auch hier die richtigen Worte, wie begeistert wir alle über dieses Erlebnis waren!

Wir steuern auf die Kirchener-Insel zu und bewundern die verschiedensten tropischen Gewächse im botanischen Garten. In der Finsternis segeln wir zurück zu unserem Hotel. Wunderbar machen sich die bunten Lichter in den Palmen. Um 2115 gehen wir zu Bett, denn morgen heißt es zeitig aufstehen.


Mittwoch, 10 Mai 1972:


Aufstehen 31o! In der Nacht war es so unerträglich warm, wir haben kaum schlafen können. Die Klimaanlage kommt nicht mehr mit der Kühlung nach. Die "kühlen Nächte" haben 29 - 32C. Heute wird uns ein Tragflügelboot nach Abu Simbel bringen, wir freuen uns schon sehr.

Um 1/2 6 besteigen wir das Schiff, um 6h geht die Fahrt los. Mit einem kärglichen Frühstück beginnt die Enttäuschung. In der Kabine wird es zusehens heißer und heißer, die Klimaanlage funktioniert nicht. Unsere Freude an dieser Fahrt wird getrübt, denn wenn jemand annimmt, daß dies ein Vergnügen ist, so hat er sich gewaltig geirrt.

Der Schweiß steht uns auf der Stirne. Wir gehen an Deck und glauben dort etwas Abkühlung zu finden. Doch dort oben hält es überhaupt niemand aus. Man möchte meinen, wenn ein Schiff mit ca. 60 Stundenkilometer dahinfährt, daß der Luftzug speziell vom Wasser her, ein angenehmer sein muß. Aber dieser glühende Wind ist unbeschreiblich, wir flüchten sofort wieder nach unten.

Herr Nordhof verliert seinen Humor. Es geht ihm gar nicht gut.

10 Uhr ist es geworden als wir die riesigen Kolosse von Abu-Simbel vor uns erblicken. Der große Felsentempel mit den 4 sitzenden Riesenfiguren des Königs Ramses'II. Wurde bekanntlichvor den Wassern des Assuan-Stausees durch eine internationale Aktion der UNESCO gerettet. Er wurde, ca. 1km entfernt, auf einem höher gelegenen Plateau wiederaufgebeut. die Kosten hierfür betrugen 36 Millionen US-Dollar!

Jede Figur ist 20m hoch, die Länge des Tempels beträgt 55m. Die Decken und Wände sind mit prächtigen Reliefs geschmückt. In unmittelbarer Nähe besichtigen wir den Hather-Tempel, ebenfalls von König Ramses'II. erbaut, aber wesentlich kleiner. Um 12 Uhr kehren wir in unseren "Dampfkessel" zurück. (Inzwischen haben wir erfahren, daß es heute 46C hat.) Das heutige Mittagessen ist wohl der Höhepunkt: auf jedem Sitz befindet sich ein Karton, in welchem kalte Kartoffel, Kamelwurst, Eier, Käse und 1 Orange sind. Mittlerweile sind auch die Getränke ausgegangen, die Toilette kann nicht benutzt werden, kurz und gut in Schweiß gebadet haben wir unsere Sünden abgebüßt. völlig erschöpft sind wir nach 17 Uhr wieder in unserem Hotel.

Das Abendessen besteht aus Suppe, Huhn, Gemüse und Pudding. Vor 21 gehen wir heute schon zur Ruhe.


Donnerstag, 11. Mai 1972:


Um 1/4 6h werden wir geweckt. Wir haben schon das 2. Hitzeopfer, diesmal ist es eine ältere Dame, sie hat hohes Fieber. Unser Bus bringt uns heute zu einem Granitsteinbruch. Besonders sehenswert ist ein halbfertiger, 42m langer Obelisk, der mit lloo Tonnen der größte der Welt sein soll. Nachher setzen wir unsere Fahrt fort und zwar zur Insel "Phila" (Mondlandschaf t). Beim alten Stausee angekommen, müssen alle die Fotoapparate abgeben, da hier strengstes Fotografierverbot herrscht. Ringsherum sind überall Raketengeschoße zu sehen. Wir mieten 10 Ruderboote und haben wieder 2 fesche Burschen, die unser Boot zum Iris-Tempel rudern. Auch diese Tempel, der aus dem 4. Jhdt. v. Chr. stammt und von den Ptolemäern und Römern erbaut wurde, soll demnächst aus den Wassern des Nils gehoben werden.

Der Rückweg führt uns auf Umwegen zum neuen Staudamm, dem Stolz der Ägypter. Die Dammkrone hat eine Länge von 3,7km, die Basis beträgt 45 zu 950m. Mit 32ooo Arbeitern, die in 3 Schichten lo Jahre gearbeitet haben, war dies die größte Baustelle der Welt. Die Kosten für dieses Projekt betrugen 8oo Mill. US-Dollar. 12 Turbinen erzeugen pro Jahr lo Milliarden Kilowattstunden! Hier ist der Nil Besonders schön grün.

Das Mittagessen um 13h haben wir im Hotel. Teig mit Zwiebeln, Hamburgersteak (Kamel), weiße Bohnen, Bananen.

Anschließend müssen wir wieder unsere Koff er packen, bis 15h müssen die Zimmer geräumt sein. Bis 17 Uhr sitzen wir in der Bar und plaudern und trinken. Draußen hat es 48. Mit 14 Flaschen verschiedene Getränke, 2 Gläser Tee, 2 Tassen Kaffee haben wir heute den Höchststand erreicht.

Pünktlich um 183o rollt unser Zug Richtung Luxor ab. Diesmal fahren wir genau 4 Stunden. Solange es noch hell ist, schauen wir alle aus den Fenstern und betrachten die ungewohnte Umgebung, bis auf eine: unser "Hausmütterchen", sie strickt und strickt und strickt.... Man kann nur staunen!

Das Hotel in Luxor liegt direkt am Nil und heißt "SAVOI", Es besteht aus verschiedenen Trakten, die genze Anlage wirkt sehr nobel und vor allem gepflegt. Eine gut funktionierende Klimaanlage und ein riesiges Schwimmbecken mit wunderschönem Wasser machen uns das Wohnen angenehm. Die Bedienung klappt gut. Es ist bereits 2345 als wir zu Bett gehen.


Freitag, 12. Mai 1972:


Wecken 53o. Diesmal haben wir herrlich geschlafen, kein Lärm und ein gut gekühltes Zimmer!

Einem jungen Mann aus unserer Gruppe ist übel, ein anderer hat einen häßlichen Ausschlag vom Nilwasser bekommen.

Eine Fähre bringt uns auf das gegenüberliegende Nilufer. Nach längerer Busfahrt sehen wir die berühmten Memnon-Kolosse, zwei 16m hohe Sandsteinstatuen, die Amenopis III. darstellen. Ein Stück weiter, schon am Steilabfall über dem "Tal der Könige", erreichen wir den Deir el-Bahari, den Totentempel der Königin Hatschepsut. Zum Teil in den Felsen gehauen, steigt er in 3 Terasseh an, den Abschluß der Terassen bilden Hallen. Die ganze Anlage ist in Ägypten einmalig. Herrliche Bilder und Reliefs zeigen u. a. einen Reisebericht in das Weihrauchland "PUNT". Der Mentuhotep-Tempel neben der Hatschepsut-Anlage stammt aus der 11. Dynastie und gilt als Vorbild des Tempels der Königin. Er ist sehr stark zerstört. eine Serpentinenstraße führt uns in ein trostloses kahles Felsental "das Tal der Könige". Vor Jahrtausenden zogen hier viele feierliche Totenprozessionen, um ihre toten Herrscher zu begraben.

Ein kleines bißchen Glück haben wir heute mit dem Wetter, es ist etwas bewölkt.

Nach Besichtigung des Ramses- und des Setos-Grabes gehen wir in das Grab des Tut-ench-Amon (um133o v.Chr.). Die Anlagen der verschiedenen Felsengräber sind in der Regel nach gleichem Entwurf gestaltet: in das Grab führt eine steile Treppe zu einem Gang hinunter, der an einer Vorkammer endet; an sie schließen sich meist mehrere Räume an. Im letzten Raum wurde der Granitsarkophag mit der Königsmumie aufgestellt. Alle Mauern Wände und Pfeiler sind mit farbigen Fresken und Hieroglyphen bemalt. Dieses, zwar kleinste, aber berühmteste Grab blieb bekanntlich von Grabräubern verschont. Die unsagbaren Schätze, die man hier fand, sind großteils im Ägyptischen Museum in Kairo zu sehen.

Anschließend betreten wir ein Privatgrab von einem Edlen, nämlich das Grab des "Nacht". Nacht war unter Thutmosis III. (also ca. 1420 v.Chr.) Aufseher der Kornspeicher. Wunderbare Wandmalereien gehören zu den schönsten Bildern dieser Epoche.

Danach sehen wir im Grab des Menena, einem hohen Finanzbeamten des Pharao Thutmosis IV., kunstvolle Gemälde. Unterwegs werden wir andauernd von bettelnden Kindern und Kameltreibern belästigt. Einige von uns findes es originell, wenn man plötzlich eine Mumien-Hand oder -Fuß "original antik" angeboten bekommt. Sicher graben die Leute hier schon ihre Angehörigen aus, nur um Geschäfte zu machen.

Im Grab des Ramose, der Minister von König Echnaton (Ech-en-Aton 1361 1340 v. Chr.)war, sehen wir auffallende Darstellungen der Sonnenscheibe Aton.

Die ewige Hetzjagd und die dumpfen Grabkammern haben unsere Frau Magister völlig fertig gemacht. Sie hat Herzbeschwerden und so fahren wir mit ihr auf schnellstem Weg zurück zum Hotel.

Um 14h sind Peter und ich ganz alleine im herrlichen Swimmingpool, währendessen die anderen von uns noch einen weiteren Tempel besuchen. Doch für heute haben wir mehr als genug; bei direkter Sonnenbestrahlung hätten wir diesen anstrengenden Tag vielleicht auch nicht durchgehalten. Bis 18Uhr sind wir fast pausenlos im Wasser, denn machen wir uns für den Abendtisch fertig. Wir speisen arabisch: Aschantisuppe, Blätterteigpastete (trockene Angelegenheit), Lammfleisch in Zwiebelsauce (Fleisch nicht zum Essen, zäh), Salzkartoffel, Karotten, Marillen.

Nach dem Essen machen wir einen ziemlich langen Abendspaziegang entlang des Nil, anschließend sitzen wir noch auf der Veranda bei einem Glas Bier; um 2245 gehen wir schlafen.


Samstag, 13. Mai 1972:


Um 645 heißt es aufstehen. Mit Pferdekutschen geht es heute nach Karnak. Wir besichtigen die gigantische Tempelanlage des im Verlauf von Generationen ausgebauten "Großen Amon Tempels". Am meisten beeindruckt sind wir vom "Großen Säulensaal", welcher schon um Altertum als Weltwunder gerühmt wurde. Auf rund 500Om² Grundfläche stehen in 16 Reihen 134 Sandsteinsäulen die das Dach trugen. Die Mittelschiffsäulen sind 21m hoch und tragen ein 3,30m mächtiges Kapitell. Jede Säule hat 10m Umfang!

Bewundernswert sind auch die zwei Obelisken der Königin Hatschepsut in der "Kleinen Halle". In nur 7 Monaten wurden diese aus Assuaner Rosengranit hergestsllt, auf dem Nil nach Theben gebracht und im Tempel aufgestellt, eine - auch in technischer Hinsicht - großartige Leistung. Mit einer Höhe von 30m und einem Gewicht von ca. 300 Tonnen steht der eine Obelisk als der zweitgrößte, den wir kennen.

Um 1/4 12h kehren wir in das Hotel zurück. Rasch kleiden wir uns um und im Nu sind wir im Schwimmbecken. Heute hat es wieder eine mörderische Hitze! Draußen hört man Polizeisirenen heulen. Außenminister Kirchschläger befindet sich ebenfalls zur Zeit in Luxor.

Unser heutiges Mittagessen besteht aus Köseblätterteig (diesen lieben die Ägypter anscheinend heiß, wir nicht!) Lebergulasch, Kartoffel, geb. Kürbisse und Salat. Nach dem Essen um 16

h

besichtigen wir den nahegelegenen LuxorTempel, von Amenophis III. erbaut. Einen Teil des Tempels, der durch Ramses II. erweitert wurde, benutzten später die Christen als Kirche, der Islam beute in den großen Ramses-Hof eine Moschee. Die bestimmt ebenfalls sehenswerte Tempelanlage ist jedoch in keiner Weise mit der in Karnak zu vergleichen. Abends müssen wir schon wieder unsere Klamotten zusammenrichten, denn um 222o verlassen wir Luxor. Wir fahren mit dem bereits vorhin erwähnten Zug, an dem sich nichts geändert hat. Nur kommt uns vor, daß er jetzt noch mehr rüttelt...


Sonntag, 14. Mai 1972:

Diesmal haben wir kein Auge zugemacht! Wir wundern uns, daß der Waggon noch auf den Schienen rollt. Die Hochschaubahn ist nichts dagegen. Das Frühstück bekommen wir wieder im Speisewagen diesmal keine Eierspeise (sicher hat niemand etwas übrig gelassen). Um 93o sind wir in Kairo. Jetzt ziehen wir uns schon bei 29 die Weste an.

Eine besondere Attraktion ist die Verteilung der Gepäckstücke am Bahnhof in Kairo. Wir sind wieder einmal froh, nur eine Reisetasche mitzuhaben. Alle beneiden uns, denn wie hier mit den Koffern herumgeschmissen wird, ist ungeheuerlich. Teilweise fehlen schon ganze Ecken bei nagelneuen Koffern. Auch Handgriffe sind bereits ausgerissen. Trotzdem sind alle glücklich, wenn sie überhaupt ihr Gepäck bekommen.

1045 ist es, als wir wieder in unserem Hotel "El Nil" eintreffen. Diesmal ist unser Zimmer im 2. Stock, das ist uns gerade recht, denn mit dem Lift klappt es ohnehin nicht.

Bis um 13h machen Peter und ich einen Spaziegang in das Zentrum der Stadt.

Diese schmutzigen Geschäfte, diese Armut! Die angebotenen Waren sind großteils aus Oststaaten, Qualitätsware ist überhaupt keine zu sehen. Obst und Gemüse, alles in Miniature zu haben. Zitronen, welche ca. 3cm groß sind, winzige Bananen, Marillen, Äpfel (die größten sind wie ein Hühnerei!). Als wir dann vor einem Fleischhauer vorbeikommen, hat Peter schon gegessen. Dieser Gestank, und die Fliegen! Und in jedem Kaffeehaus sitzen die Männer gemütlich bei Tee und Wasserpfeife, keine einzige Frau ist zu sehen.

Das Mittagessen ist heute gar nicht so übel. Es gibt Eierspeise, Kartoffelpürree, Gemüse, Wasserbüffelgulasch (übrigens ist ein Wasserbüffel noch besser als ein Kamel, trotzdem bleibt ein Schwein ein Schwein). Die Portion von Peter vertilge ich ebenfalls, denn er hat, wie schon erwähnt bereits gespeist.

Bis 15h ruhen wir uns etwas aus, denn fährt uns der Bus in das Armenviertel. Finden gar keinen nennenswerten Unterschied, gebettelt wird überall und Dreck ist auch überall. Die "Eigentumswohnungen" sind sehenswert, schwer zu beschreiben, kann man sich bei uns gar nicht vorstellen! Wir befinden uns jetzt im koptischen Stadtteil, der auf dem Boden des römischen Kastells Babylon steht. In der Abu-Serge-Kirche, eine ägyptisch byzantinische Basilika, bestaunen wir die berühmte Holz-Elfenbein-Schnitzerei von der Geburt Christi. In der Krypta soll die Heilige Familie während ihres Aufenthaltes in Ägypten gewohnt haben.

Gleich hinter dieser Kirche kommen wir in eine Synagoge aus dem 8. Jhdt. mit Handschriften des Alten Testamentes (alles original, auch der Staub dürfte aus dieser Zeit stammen!). Ein Stückchen weiter gehen wir in die Moalhaka-Kirche, auch hängende Kirche genannt, welche aus dem 4. Jhdt. stammt und auf Resten der römischen Befestigungsanlage steht. Anschließend fahren wir zur Ibn-Tulun-Moschee. Sie stammt aus dem 9. Jhdt und ist der Kaaba in Mekka nachgebaut. Beim Betreten kommen wir gerade zum Koran-Unterricht der kleinen Moslems zurecht. Die Kinder sitzen am Boden und wiederholen alles eifrig, was ihnen ihr Lehrer vorsagt. Nachher besteigen wir das Minarett. Über eine gewundene Außentreppe gelangen wir nach oben, von wo wir einen herrlichen Ausblick genießen.

Um 19h sind wir in unserem Hotel, wir trinken noch ein Glas Bier auf der Terasse, dann liegen wir bereits un 19Uhr45 todmüde um Bett. Heute gehen noch einige von uns in ein ägyptisches Nachtlokal. Auch wir hatten diesen Vorsatz, doch das Programm beginnt erst um 24h und wir sind mit bestem Willen zu nichts mehr imstande.


Montag, 15. Mai 1972:

Bis 1/4 9h haben wir herrlich geschlafen.Heute besuchen wir das Ägyptische Museum in Kairo. Es beherbergt die reichhaltigste Sammlung pharaonischer Kunstschätze die es gibt. Leider ist unsere Zeit viel zu knapp bemessen. Das erste Stockwerk wird von der Tut-ench-Amon-Sammlung fast zur Gänze eingenommen. Besonders prachtvoll sind die riesigen vergoldeten Hozschreine, der Königsthron und als Höhepunkt der innerste Goldsarg von König Tut-EnchAmon. Im angeschlossenen Mumiensaal sehen wir unter anderem die Mumien von König Sethos I. und die der Ramseskönige.

Am frührn Nachmittag machen wir einege kleine Einkäufe im Basar Khan-elKhalili. Hier breitet sich ein Geruch von Tabak, Spirituosen, Rosenöl, Fisch und Parfum aus. Bald haben Peter und ich von demganzen Wirbel genug und wir Beschließen zu Fuß durch dieCity zu marschieren. Auf vielen Umwegen (wir waren ca. 4 Stunden unterwegs) kehren wir erschöpft in dad Hotel zurück. Zum Abendessen um halb acht bekommen wir Suppe, Fisch, Huhn (mini), Gemüse, Salat, Bananen, Orangen. Um neun gehen wir schlafen.


Dienstag, 16. Mai 1972:

Wecken 3/4 8h. Das war die letzte ägyptische Nacht! Nach dem Frühstück geht es auf den Flugplatz. Am Flughafen haben wir noch ein schreckliches Erlebnis: Es ist 111o. Unsere Gruppe wartet auf den Aufruf,der Flug soll um 113o starten. Einege von uns stehen noch an der Bar, andere schauen sich im Zollfreihafen um. So auch Peter. während ich mit beiden Taschen auf einer Bank verweile. Bekanntlich geht es auf jedem Flugplatz ziemlich turbulent zu. Die Bekanntgabe der einzelnen Maschinen erfolgt in verschiedenen Sprachen (ausgenommen Deutsch), unsere Englischkenntnisse sind nicht ausreichend. Kurz und gut niemand von uns hat unseren Aufruf gehört. Unsere Reiseleiterin trommelt zwar alle zusammen, doch in dieser großen Halle verschwindt jeder Laut. In wenigen Augenblicken sind bereits alle anderen beim Zubringerbus, außer Peter und mir. Ich kann die Menschenmasse nicht überblicken und Peter nicht finden. Wo steckt er nur? Was soll ich tun? Vor lauter Verzweiflung schreie ich nach ihm - keine Antwort! Ich kann doch ohne ihn das Flugzeug nicht besteigen?! Oder ist er vielleicht schon im Flughafenbus? Ich laufe hinaus. Vor meiner Nase schließt das Auto die automatischen Türen und fährt ab. Eine Stewardess bemerkt dies und tröstet mich, daß mich gleich ein nächst er Bus zum Flugzeug bringen wird. "I can not find my husband!" stottere ich auf Englisch und laufe wieder Richtung Wartehalle - und - endlich! ganz blaß im Gesicht, sehe ich Peter vor mir! Auch er hat am ganzen Körper gezittert, als er keinen einzigen von uns mehr findenkonnte.

Wir werden wieder zu einer MEA Boeng 707 gebracht und starten pünktlich um 113o. Es ist klar und wir haben wieder einen wunderbaren Fernblick. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicken wir auf das Land zurück. Zwar haben wir von dem ewigen Bakschisch und der unerträglichen Hitze zumindest für einige Zeit genug, doch haben wir schon jetzt die Strapazen vergessen.

Wir sind reich geworden. Reich an Erlebnissen - und reich, weil wir wissen wie gut es uns geht. Was würde denn dieses Land machen, wenn es die Pyramiden nicht hätte? Uns ist auch klar geworden, daß Ägypten einen Krieg mit Israel fürchten muß, denn es kann diesen nie gewinnen. So hoch entwickelt dieses Volk einmal gewesen ist, so niedrig ist es derzeit gesunken.

Aber eines möchte ich noch erwähnen, was mir an den Ägyptern so gefällt: Erstens gibt es keine Beatles, zweitens wird man die Frauen nie in Minikleidern oder dekoltiert sehen, und drittens ihr überzeugter Glaube, der sie an nichts hindern kann. Da möchte ich noch ein diesbezügliches Beispiel erwähnen: als wir eines Tages 42 Personen von einem Ausflug ins Hotel zurückkamen und jeder von uns durstig in die Bar flüchtete, hatte der Barkeeper gerade seine Gebetszeit. Niemand konnte ihn dabei beirren! Welcher christliche Mensch macht bei uns in aller Öffentlichkeit am Frietag nur das Kreuzzeichen?

Wir bekommen ein typisch arabisches Menü, welches uns sehr gut schmeckt. Die Zeit wird eine Stunde Zurückgestellt und so erreichen wir um 122o Beirut. Diesmal heißt unser Hotel "Federal", es ist sauber. Um 15h machen wir einen kleinen Ausflug nach Byblos, wo eine alte Kreuzfahrerburg steht. Die Lage des Ortes ist wunderschön; in einer Meeresbucht, dahinter ziemlich hohe Berge.

Das Abendessen un 193o haben wir im Hotel: Spargelsuppe (ausgezeichnet), Huhn, Kartoffel, Pudding.

Anschließend fahren Peter und ich mit dem Taxi zum Hotel "Phönizier", welches in einem Nobelviertel liegt. Wir wollen uns Geschäfte anschauen, doch ist bereits alles geschlossen. Es herrscht bereits ein reges Nachtleben. Zu Fuß kehren wir zurück und gehen um 103o zu Bett.



Mittwoch, 17. Mai 1972:

Um 3/4 3h wache ich auf, da mir schrecklich übel ist. Am letzten Tag muß es mich erwischen? Ich habe einen furchtbaren Brech-Durchfall, wie werde ich nach Hause kommen?

Schließlich und endlich ist es doch irgendwie gegangen. Ich habe mich vollkommen ausgehungert und entsprechende Medikamente haben wir auch immer bei uns.

Unser Abflug von Beirut mit MEA - Boeng 707 erfolgt um 1115. Das Essen ist das gleiche von gestern, arabisches Huhn (das Dritte in 2 Tagen). Die Uhr wird eine Stunde zurückgestellt und so landen wir nach einem herrlichen Rundflug über Wien um 1335 in Schwechat.


;-)